Herzlich willkommen! Wir laden dich ein, die Deutsche Weinstraße neu zu entdecken. Alternative Weinstraße rückt in den Fokus, was oft im Hintergrund bleibt: ihre Entstehung im Nationalsozialismus. Abseits der bekannten touristischen Sonnenseiten führen wir zu Orten, die es verdienen. genauer betrachtet zu werden. Mit offenem Blick für ihre weniger bekannten Seiten und für Fragen, die bis heute relevant sind. Auf dieser Website, bei Instagram, TikTok oder in unserer App.

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„Der Wein ist wahr, das Gelöbnis echt. Hier stehen Deutsche und nichts als Deutsche – im Westen die Feldwache der Nation.“ Mit diesen Worten eröffnete Gauleiter Josef Bürckel am 19. Oktober 1935 die Deutsche Weinstraße. Danach fuhr der überzeugte Nationalsozialist und Architekt des Propagandaprojekts im offenen Cabrio gemeinsam mit der pfälzischen Weinkönigin lächelnd los. Ein Bild von der Eröffnungstour nach Schweigen an der französischen Grenze findet sich mit einem erläuternden Text in unserer neuen Handy-App.

„Lange Zeit ist die dunkle Geschichte der Deutschen Weinstraße unter den Teppich gekehrt worden, und noch heute wird sie häufig verdrängt“, sagt Eberhard Dittus. Der Gedenkstättenbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz hat die App gemeinsam mit Gregor Rehm, dem landeskirchlichen Friedensbeauftragten, erarbeitet.

Ein Screenshot der App "Alternative Weinstraße"

Auf einer virtuellen Streckenführung sind Orte entlang der Deutschen Weinstraße verlinkt, etwa die ehemalige Gestapo-Zentrale und die Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt an der Weinstraße.

Entlang der Route ist auch ein virtueller Stopp auf dem jüdischen Friedhof Wachenheim und in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim möglich. In Klingenmünster ist die Gedenkstätte der Pfalzklinik für psychisch kranke Menschen aufgeführt, die von den Nationalsozialisten gequält und ermordet wurden.

Über das Projekt Deutsche Weinstraße hätten die Nationalsozialisten versucht, etwa mit Weinpatenschaften zwischen Städten und „Kraft-durch-Freude“-Reisen zu Weinfesten den Absatz von Pfälzer Wein anzukurbeln, erzählt Dittus.

Interessierte können sich nicht nur per App einen Einblick in die Schattenseiten der Weinstraßen-Entstehung verschaffen. „Mit unserem Social-Media-Projekt ‚Alternative Weinstraße‘ begleiten wir die App auf Instagram und TikTok und machen diese Geschichte sichtbar“, macht Lara Sturm aus dem Kommunikationsrefarat der Landeskirche deutlich. Auf den Kanälen erzählt das Projektteam von vergessenen Orten, persönlichen Schicksalen und politischen Strukturen entlang der Weinstraße in der NS-Zeit: von jüdischen Familien, Zwangsarbeiter*innen, Sinti und Roma, Patient*innen der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster, homosexuellen Menschen und vielen mehr.

Das Projekt blickt auch in die Gegenwart: Kurze Reels erzählen, wie sich Menschen heute für Erinnerungskultur, Demokratie und Vielfalt einsetzen wie die Schülerinnen Mara und Alessia, die bei einem Schulprojekt einen jüdischen Friedhof pflegen, Winzer Lukas Krauß von der Initiative „Wein gegen Rassismus“ oder David Rosenberg von der jüdischen Studierendenverbindung.